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Landesliga: TSV Köngen - TSV Oberensingen 2:3

Zwei Treffer von TSVK-Kunstschütze Hummel (Foto) reichen im Landesliga-Derby nicht, Oberensingen setzt sich mit 3:2 durch

 

Kellerkind gegen Spitzenteam – von der Papierform her eine klare Sache. Denkste – wenn es sich um ein Derby dreht, gelten sowieso ganz andere Gesetzmäßigkeiten. Wie gestern, als sich Aufstiegskandidat TSV Oberensingen beim Vorletzten TSV Köngen lange Zeit sehr schwer tat und erst nach einem 0:2-Rückstand richtig Vollgas gab und noch verdient mit 3:2 gewann.

Knapp 400 Zuschauer sahen auf dem Kunstrasen in der Fuchsgrube einen furiosen Auftakt der Gäste, die ein schnelles Tor vorlegen wollten. Daraus wurde allerdings nichts, weil Jan Horeth TSVO-Torjäger Fatih Özkahraman nach einer Hereingabe von Philip Kühnert entscheidend störte (2.) und TSVK-Keeper Tom Hohlfeld Özkahraman die Kugel vom Fuß fischte, nachdem Ferdi Er mustergültig durchgesteckt hatte (7.).

„Wir sind ordentlich ins Spiel gekommen“, war TSVO-Trainer Andreas Broß zufrieden, „aber dann waren wir nach einem Einwurf nicht konsequent genug.“ Prompt gingen die Hausherren in Führung. Florian Bauer visierte das Tor an, Nico Hummel verarbeitete den Ball wunderbar und traf aus 20 Metern platziert ins rechte untere Eck (22.). Florian Hekele im Oberensinger Kasten war machtlos.

Das hatte gesessen und die „Sandhasen“ brauchten eine Weile, um den Rückschlag zu verdauen. Die Köngener machten auf dem engen Platz die Räume geschickt zu, ließen sich klug fallen und variierten in der Abwehr mal mit drei, mal mit fünf oder gar sechs Spielern. Die meisten Versuche, das grün-weiße Bollwerk zu überspielen, wurden abgefangen. Dass die Gäste immer wieder zu gefährlichen Attacken ansetzten, konnten die Jungs von Trainer Mario Sinko jedoch nicht verhindern. Wie in der 34. Spielminute, als Özkahraman nach einem schnellen Angriff von rechts vors TSVK-Gehäuse passte, der Ex-Köngener Matteo-Pio Stefania aber das Kunststück fertigbrachte, das Leder aus kurzer Distanz am Kasten vorbeizubefördern. Das hätte das 1:1 sein müssen.

Auch bei einer von Özkahraman aufs kurze Eck geschlagenen Ecke brannte es lichterloh im Köngener Strafraum, aber Hohlfeld hatte den Braten gerochen und klärte (42.). Die Gastgeber sorgten kaum für Entlastung, hatten kurz vor der Halbzeit aber zwei gute Kontergelegenheiten. Die wurden freilich nicht sauber genug ausgespielt.

Sekunden nach Wiederbeginn hatten die Köngener Glück, dass der unermüdliche und immer besser in Schwung kommende Marco Parrotta nur den Pfosten traf. Im Gegenzug hatte Baran Ates nach einem Hummel-Pass das 2:0 auf dem Fuß, wurde aber von Oliver Scherb entscheidend gestört (47.). Der Oberensinger verletzte sich dabei und musste für Alex König Platz machen. Ein Wechsel, der sich bezahlt machen sollte, denn König brachte viel Schwung.

Zunächst allerdings schien sich die Waage auf die Seite der Hausherren zu senken. Ates bediente Hummel und der Köngener konnte erneut völlig unbedrängt aus 22 Metern zum Kunstschuss ansetzen – der Ball segelte zum 2:0 ins linke Dreieck (53.).

Eine Überraschung lag in der Luft, doch die Broß-Truppe zeigte sich diesmal unbeeindruckt und schaffte innerhalb von drei Minuten den Gleichstand. Doppeltorschütze Mikael Gümüssu verkürzte nach einer zu schwachen Abwehr (62.) und vollendete wenig später die starke Vorarbeit von Parrotta, der an der Grundlinie zwei Köngener zu Statisten degradiert hatte (65.). Zwischen den beiden TSVO-Treffern hatte König Pech, dass er nach einem Traumpass von Er mit einem Heber über den herausstürzenden Hohlfeld aus 25 Metern nur die Latte traf.

„Nach dem Anschluss haben wir Angst und zittrige Beine bekommen“

Köngens Trainer Mario Sinko

Jetzt hatte die Partie echten Derbycharakter. Den Köngener Fans schwante aber nichts Gutes, denn die Dominanz der Gäste nahm von Minute zu Minute zu. Das 3:2 für die TSVO war nur eine Frage der Zeit. Parrotta grätschte in einen Schuss von Nico Crisigiovanni, der wohl im langen Eck eingeschlagen hätte, und lenkte den Ball in die Arme von Hohlfeld (70.). Einen indirekten Freistoß von Özkahraman boxte der Köngener Schlussmann weg (71.).

Dann aber doch die Entscheidung zu Gunsten des neuen Tabellenzweiten: Özkahraman verwandelte einen Freistoß nach einem Foul an Jarryd Schwarz aus gut 20 Metern auf halblinker Position über die Mauer hinweg zum 2:3 (75.). Hohlfeld machte keinen Muckser. Über die Freistoßentscheidung echauffierte sich Köngens Sportlicher Leiter Joachim Dienelt. „Das war nie ein Freistoß, der stolpert über den Ball“, wetterte er. „Die Niederlage ist ärgerlich und bitter“, stöhnte er, „wenn du 2:0 führst, musst du bei aller Euphorie das Ergebnis absichern.“ Gleichwohl anerkannte er den Oberensinger Sieg. „Die individuelle Klasse war ausschlaggebend.“ Parrotta hätte nach klasse Vorarbeit von Stefania fast den vierten TSVO-Treffer draufgesetzt, traf aber wieder den Pfosten (90.+2). Die beste Ausgleichschance der Köngener hatte Dennis Essert, dessen 25-Meter-Kracher sich gefährlich senkte (78.). Auch die Hereinnahme von Sturmtank Michael Rüttinger, der heute an der Leiste operiert wird, brachte nichts mehr.

„Wir hatten das Spiel im Griff“, trauerte TSVK-Trainer Mario Sinko der verpassten Überraschung nach, „wenn man 2:0 führt, muss man das einfach über die Zeit bringen.“ Die Oberensinger seien cleverer gewesen. „Nach dem Anschluss haben wir Angst und zittrige Beine bekommen. Dabei wäre es ganz wichtig gewesen zu punkten, wenn keiner damit rechnet. Jetzt müssen wir punkten.“

TSVO-Coach Andy Broß lobte sein Team. „Es war wieder eine enge Geschichte“, atmete er durch, „wir haben das Spiel gut verlagert und sind mit viel Tempo über außen gekommen.“ Es sei wieder ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Broß: „Die Grundrichtung stimmt, aber wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen.“

TSV Köngen – TSV Oberensingen 2:3

TSV Köngen: Hohlfeld – Löfflath (82. Rüttinger), Nuffer, J. Horeth – Bauer (60. Dobler), Ehrler, Panne (76. Essert), Sanyang (73. Seidler), Hummel – Römer, Ates.

TSV Oberensingen: Hekele – Schwarz, R. Horeth, Burkhardt (57. Gümüssu), Scherb (49. König) – Er, Crisigiovanni, Kühnert – Stefania, Parrotta (90.+2 Tokic) – Özkahraman (89. Sigler).

Schiedsrichter: Gentile (Öhringen).